Afghanistan - Wasserkraft

Strom aus erneuerbaren Energien für abgelegene Dörfer 

Der Schwerpunkt dieses Projektes sind Mikro-Wasserkraftanlagen mit 5 - 100 kW nutzbarer elektrischer Leistung für abgelegene ländliche Gegenden im Norden von Afghanistan.

In Zusammenarbeit mit der afghanischen Regierung werden Standorte ausgewählt, die in naher Zukunft nicht vom Hauptverteilungsnetz erreicht werden können. Die Projekte werden auf Initiative der Dorfgemeinschaft durchgeführt. Wir legen Wert darauf, dass die Dorfgemeinschaft sich von Anfang an als Besitzer und Betreiber der Anlage versteht. Der Einsatz der Dorfgemeinschaft amortisiert sich nach 3-5 Jahren durch Einsparung von fossilen Brennstoffen und Nutzung neuer Verdienstmöglichkeiten.

Die Nationale Entwicklungsstrategie Afghanistans (Afghan National Development Strategy – ANDS) sieht vor, dass bis 2013 insgesamt 25 Prozent der Haushalte in ländlichen Gebieten mit Elektrizität versorgt sein sollen. Somit ist dieses Projekt relevant im Bezug auf die strategischen Rahmenbedingungen im Land. „Während 2001 nur sechs Prozent der Afghanen Zugang zu öffentlicher Stromversorgung besaß, sind es heute rund 21 Prozent. Trotz dieser Fortschritte bleibt die Versorgung mit Elektrizität weiterhin unzureichend und stellt nach wie vor eines der größten Hemmnisse für wirtschaftliches Wachstum und soziale Entwicklung in Afghanistan dar. Daher bemüht sich die afghanische Regierung mit Unterstützung der internationalen Gebergemeinschaft intensiv um einen Ausbau der Energieinfrastruktur: Allein 2011 ist die Betriebsleistung – die Summe aus inländischer Energieerzeugung und Stromimporten – um rund 8,7 Prozent gestiegen.“ (Fortschrittsbericht der Bundesregierung zur Lage in Afghanistan 2012. S.23)

Installierte Kleinwasserkraftwerke 2010-2013

Um was geht es in diesem Projekt? Das Planziel wurde wie folgt definiert, welches durch dieses Projekt in diesem Zeitraum erreicht werden sollte:

Oberziel

Verbesserung der Lebensqualität und der ökonomischen Situation ländlicher Fa­milien in Badakhshan, Faryab und Kabul durch Verwertung von erneuerbaren Energien

               

Projektziel       

Stromversorgung für  5.600 Kernfamilien im Projektgebiet. Die installierte elektrische Leistung reicht mindestens für Beleuchtung und Kleinverbraucher aus (mindestens 60 Watt pro Kernfamilie – Mutter, Vater, Kinder). Durch die Nutzung der elektrischen Energie spart eine durchschnittliche Familie bis zu 4.800 Afghani (ca. 63 €) pro Jahr und eröffnet neue Möglichkeit für Einkommen schaffende Erwerbstätigkeiten.

Die Projekte wurden auf Initiative der Dorfgemeinschaften durchgeführt. Wir legen Wert darauf, dass die Dorfgemeinschaft sich von Anfang an als Besitzer und Betreiber der Anlage versteht. Es wurde die Erfahrung gemacht, dass eine starke Eigenbeteiligung ein wichtiger Ansatz ist um dies zu erreichen. Die Dörfer engagieren sich sowohl finanziell als auch durch lokal vorhanden Materialien. Zusätzlich beteiligen sich die Dorfgemeinschaften beim Bau der Anlage durch ihre Arbeitskraft. Sie graben und finanzieren den Zulaufkanal eigenständig. Das Dorf ist auch für die Finanzierung der Strommasten zuständig. Der Einsatz der Dorfgemeinschaft amortisiert sich hauptsächlich durch Einsparung von fossilen Brennstoffen, die bisher zu Beleuchtungszwecken eingesetzt wurden.

Insgesamt wurde durch dieses Projekt 347 KW/h elektrische Leistung an 59 Standorten installiert, die mindestens 5877 Haushalte zugute kommt. Die durchschnittlichen Gesamtkosten einer Wasserkraftanlagen (und somit der Stromanschluss) bezogen auf einen Haushalt liegt zwischen 150 - 175 €. Dieses Projekt wurde vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ)  mit 75% bezuschusst. Die restlichen Mittel mussten durch Global Team über Spenden und durch die Eigenbeteiligung vor Ort eingebracht werden.

Im Bezug auf die Wirkungen ist festzustellen, dass die Anlagen primär die Bedürfnisse ländlicher Familien nach nächtlicher Beleuchtung, sowie die Versorgung von Kleinverbrauchern befriedigen. In einer Evaluierung wurde nachgewiesen, dass die Nutznießer die Verbesserung ihrer Lebensqualität durch das Projekt sehen: verbesserte Bildungsmöglichkeit und eine Intensivierung der sozialen Kontakte durch Nutzung der Abendstunden, Zugang zu Informationen (Radio, Fernsehen), Verbesserung der Kommunikation (Mobiltelefone), und verbesserte Gesundheit der Atemwege durch den Wegfall der Öllampen. Die Wirkung der verbesserten Lebensqualität, wie im Oberziel formuliert, ist damit erreicht worden.

Der zweite Aspekt, nämlich die Verbesserung der ökonomischen Situation ländlicher Familien durch die Nutzung des Stroms, außer der Kosteneinsparungen durch den Wegfall der Brennstoffe für Beleuchtungszwecken, bedarf zusätzlicher Schulungs- und Förderungsmaßnahmen, die bisher jedoch durch das Projekt noch nicht ausreichend abgedeckt werden konnten.

Land und Leute in Afghanistan 

Fläche: 652.225 km2. Schwierig zu erschließendes gebirgiges Binnenland in Südwestasien. Hauptgebirgssystem: Hindukusch, über 1.000 Kilometer lang, mittlere Höhe ca. 4.300 m, höchster Berg 7 690 m. Nur 12 % der Landesfläche kann für den Ackerbau genutzt werden. Hauptstadt: Kabul.

Einwohner: ca. 30 Millionen (keine realistische Volkszählung bis jetzt durchgeführt). 4 Volksgruppen: Paschtunen (im Süden des Landes angesiedelte ethnische Gruppe); Tadschiken (meist nördlich von Kabul und in Kabul selbst wohnhaft); Usbeken; Hazara (schiitische Minderheit, spricht Dari). Mittlere Lebenserwartung: 48 Jahre. Neugeborenensterblichkeit: ca. 144 auf tausend Geburten. Fast nirgendwo sterben mehr Mütter bei der Geburt. Analphabetismus: Frauen ca. 85%, Männer ca. 52%. 79 % der Bevölkerung leben auf dem Land, 70 % arbeiten in der Landwirtschaft (Bewässerungsfeldbau, extensiv genutzte Weiden, nomadische Viehhaltung).

Erzeugnisse: Weizen, Mais, Reis, Gerste, Obst, Baumwolle, Zuckerrüben.

Wirtschaft: Das zweitärmste Land weltweit. 23 Jahre Krieg und Bürgerkrieg hemmten jegliches Wachstum und haben fast die gesamte Infrastruktur in Schutt und Asche gelegt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt ca. 20 Mrd. US-$ (Stand 2003). Bei der Entstehung des BIP ist der Landwirtschaftssektor mit geschätzten 60 % beteiligt, die Industrie mit ca. 15 % und Dienstleistungen mit 25 %. Etwa die Hälfte des BIP beruht auf dem Verkehr von Opium (Quelle: Wikipedia.) Bodenschätze: Erdgas, bedeutende Eisenerzvorkommen, Gold, Silber, Kupfer, Beryll, Lapislazuli, Kohle, Salz. Verkehr: kein Eisenbahnnetz, 21 000 km zumeist unbefestigte Straßen.

Politik: erster demokratisch gewählter Präsident: Mohammad Ashraf Ghani, gewählte Bundes- bzw. Provinzparlamente. Krieg / Bürgerkrieg im Süden des Landes.

Religion: Islam (ca. 84% Sunniten, 15% Schiiten und 1% andere Richtungen), einige Hindus und Sikhs.

Weitere Informationen zu Afghanistan gibt es auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes.